A Travellerspoint blog

Chaiten und Parque Pumalin

Der Nationalpark und die Careterra Austral (06.04.2007 - 11.04.2007)

rain 14 °C

Um acht Uhr morgens kamen wir in Chaiten an, einem kleinen Dorf mit etwa dem Supermarktverhaeltnis zu Einwohnern von 12:1. Eine solch hohe Dichte an Verkaufsorten habe wir noch nie gesehen. Doch bekanntlich hat auch alles seine Gruende. In Chaiten haben niemals zeitgleich mehr als zwei Supermarkte geoeffnet, obwohl man von frueh morgens bis spaet abends einkaufen kann. Somit verteilen sich die Stellenprozente klug ueber das gesamte Dorf. Auf den Strassen laufen frei Pferde umher und im Osten wird das Dorf von einem Fluss begrenzt. Und genau an jenem lauschigen Plaetzchen haben wir uns in einem Hostel einquartiert, welches von einem deutschen Origami-Master und klassischen Gitarrenkuenstler betrieben wird.

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Blick von aussen ans Hostal "Casa Hexagon".

Zum Glueck habe ich das Hostal noch am ersten Tag fotografiert, denn danach sahen wir nie mehr ein Fleckchen blauen Himmel. Und die Einheimischen haben uns mitgeteilt, dass wenn wir von sinnflutartigen Regenfaellen sprechen, fuer sie die gleichen Bedingungen mit dem Vornamen des Regens zu vergleichen sei, denn Chaiten sei der niederschlagsreichste Ort in ganz Chile, na dann mal Prost mit Regenwasser...

Trotzdem und in der Hoffung, Gore-Tex Klamotten seien nun wirklich dicht, haben wir uns am selben Tag und bei bedecktem Himmel in Richtung unser Reiseziel aufgemacht, um eine ca. dreistuendige Wanderung im Parque Pumalin zu einem verborgenen Wasserfall zu unternehmen.
Der Parque Pumalin ist der weltgroesste private Nationalpark, gegruendet vom ehemaligen Besitzer der Modefirma Esprit (Douglas Tompkins), welcher nach und nach ganze Landstuecke Chiles zusammen kauft, um diese wieder der Natur zu ueberlassen. Leider gibt es auch in Chile einflussreiche politische Personen, welche dieses oekologische Vorhaben nicht besonders unterstuetzungswuerdig finden, ja sogar gewissen Landbesitzern verbieten, ihr Land dem Parque Pumalin zu verkaufen. Der Name Pumalin bedeutet im uebrigen, "dort wo der Puma wohnt". Gesehen haben wir ihn leider nicht, schade...

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Der auf halber Strecke gelegene Lago Rio Blanco, mit der zunehmends dichter werdenden Wolkendecke.

Nach etwa einstuendiger Fahrzeit kamen wir in Caleta Gonzalo an. Dort befand sich der Ausgangspunkt fuer unsere Wanderung. Wir koennen euch die Wanderung, falls ihr auch mal in dieser Gegend seid, nur "waermstens" empfehlen. Der Weg schlaengelt sich mitten durch das Dickicht, umgeben von dicken Baeumen und Farnen. Die Steine sind mit gruenschimmerndem Moos bewachsen. Von Zeit zu Zeit helfen kleine Holzbrueckchen, moorigen Untergrund zu begehen.

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Auch eine Flussdurchquerung oder steile Treppen sind zu ueberwinden, bis man dann schlussendlich nach geschaetzten zwei Stunden am Endziel, dem Wasserfall ankommt.

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Auf die speziell nassen Witterungsverhaeltnissen muss man bei den beiden entsprechenden Bilder wohl nicht mehr extra hinweisen.

Unsere Gore-Tex Klamotten, wie eingangs schon erwaehnt, haetten eigentlich dicht gehalten, sofern man nicht das Einsatzgebiet falsch bemisst. Durch den starken Niederschlag verwandelte sich der Fluss beim Rueckweg zu einem echten Hindernis, als wir ihn durchquerten und auch das abfliessende Wasser nahm die gleichen Wege talwaerts wie wir. Somit waren schnell einmal unsere Schuhe zu wenig hoch konstruiert. Doch wasserdichte Membranen halten auch dann noch dicht, wenn Wasser mal im Schuh drin ist. Wir sprechen aus Erfahrung.
Als wir bei Caperucita Roja angelangt waren, waren wir uns einig, dass man diese Wanderung nur bei trockener Witterung unternehmen sollte. Einen entsprechenden Warnhinweis fanden wir dann auch noch abends in einem unserer Reisefuehrer. Gelesen haetten wir ihn ja, nur eben zu einem falschen Zeitpunkt.

Auf dem Rueckweg nach Chaiten hielten wir nochmals an der kleinen Bucht an, an welcher wir morgens gefruehstueckt hatten nach der naechtlichen Faehrfahrt. Und wie so immer, koennen ein paar Sonnenstrahlen ganze Landstriche veraendern.

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Die Careterra Austral fuehrt quer durch den Parque Pumalin.

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Morgens bei sehr bedecktem Himmel gefruehstueckt, abends nach verregneter Wanderung (durch den Regenwald, ist ja eigentlich logisch) die letzten und einzigen Sonnenstrahlen zum "Once" genossen.

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Blick Richtung Chaiten vom Parque Pumalin aus gesehen.

Einen weiteren Ausflug widmeten wir heissen Quellen im Regenwald. Das Geniessen von 55 Grad heissem Wasser, Open-Air bei stroemendem Regen ist wirklich sehr unvergesslich. Aus Gruenden der Diskretion werden an dieser Stelle keine Bilder veroeffentlicht. Wir bitten um Verstaendnis... ;-)

Leider fuehlte sich Caperucita Roja noch immer nicht wohl und nach der "Konsultation" des hiesigen Dorfmechanikers entschieden wir uns, die naechste Faehre wieder zureck nach Puerto Montt zu nehmen. Doch leider ist dies einfacher gesagt als getan, da in der Nebensaison weniger Faehren verkehren und somit die freien Plaetze rar sind. Dies hiess fuer uns fuenf Tage warten.

Diese restlichen Tage in Chaiten verbrachten wir mit Lesen, Malen, Zeichnen, Kochen und etlichen Spaziergaengen durchs Dorf, um die offenen Supermaerkte zu finden. Der Regen liess bis zum Ablegen der Faehre in Richtung Puerto Montt am Mittwochabend nie nach.

Posted by surfers 11:49 Archived in Chile

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Comments

Hey Pascal and Chris!
Oh man these were rough days for you guys, with Caperucita Roja having all these troubles. I was glad to find that you managed to fix it and it all went very well further on according to what I read (or rather, saw in pictures) in your blog! The pictures are fantastic, too bad the texts are in German only, I managed to read very little..
I see you have just come back home - and I'm writing to you as well from my comfy sofa in Lithuania, the sun is shining and the Baltic sea is close..
BTW I lost my book of notes with all the contacts, can you pls drop me a message to my temporary email address martynas@trashmail.com?

by marsav

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